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Freitag, 24. Dezember 2021

A Supernatural Christmas: A Hairy Tale: Tag 6 (2/2)

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Fred

"Wen sucht ihr?"
Dean konnte sich nicht mehr zusammenreißen und blaffte: "Wir suchen dich, du Mistkerl!"
"Warum sucht ihr mich? Hat Krampus euch geschickt?"
Die Gestalt wich wieder in den hintersten Teil des Gewölbes zurück, sichtbar am ganzen Körper zitternd.
"Krampus?" rief Dean. "Hör mal, Freundchen... "
Sam hielt ihn zurück, als Dean vorstürmen wollte.
"Vor einigen Tagen wurde ein toter Mann im Wald gefunden. Alles deutet darauf hin, das du ihn ermordet hast." Sams Stimme wollte ruhig und vorsichtig klingen, aber stattdessen wirkte er subtil bedrohlich.
"Aber ich war das nicht! Bitte glaubt mir!"
"Was sollen wir dir glauben, du Mistkerl?" rief Dean zurück, zu der sich immer weiter in der Finsternis verlierenden Kreatur. 
"Ich... ich habe den Mann gefunden. Er war mir gefolgt und plötzlich... plötzlich fiel ein Ast auf seinen Kopf. Er war verletzt... ich wollte Hilfe rufen... aber ich hatte Angst... ich konnte sein Telefongerät nicht finden... und dann ging ich zur Telefonzelle..."
Seine Stimme schwang und bebte vor Furcht, und nun war er nurmehr zu hören. Sehen konnten wir ihn nicht mehr, so weit hatte er sich zurückgezogen.
Dean ließ den Knüppel sinken.
"Okay, und warum bist du abgehauen?"
Keine Antwort. Dann näherte sich Fred uns wieder auf wackligen Beinen.
"Ich hatte Angst. Blut war an meinen Händen -" dabei hielt er uns seine Klauen hin, als er wieder vorsichtig näher kam. "Ich habe die Kleidung aus Versehen zerrissen, ich war so nervös. Er hatte Wunden von mir. Aber ich habe ihm nichts getan!"
"Das erklärt die Kratzspuren," wandte sich Sam an uns, ohne den Blick von der Kreatur zu nehmen. So ganz schien er noch nicht überzeugt.
"Er ist dir also gefolgt, sagst du?" rief er Fred zu.
"Ja, er wollte mich erschießen. Ich lief schnell weg, aber dann wurde er von dem Ast erschlagen. Da wollte ich ihm helfen. Ich will nicht, das jemand leidet."
"Auch nicht, wenn er dich trotzdem noch hätte töten können?"
Fred trat noch näher an uns heran, so das wir ihn nun gut erkennen konnten. Das Wesen schüttelte den Kopf:
"Auch nicht dann. Ich darf niemanden verletzt liegen lassen. Das ist nicht im Geist der Weihnacht."
Dean drehte sich zu uns um und rollte mit den Augen.
"Der Geist der Weihnacht. Wohl eher der Weingeist oder zu viele 'spezielle Cookies'," sagte er leise.
"Genau," sagte Fred, und sein Gesicht verzog sich schüchtern zu einem kleinen Lächeln. "Keksi hat mich gesehen. Er hat mich gerufen, aber ich hatte solche Angst, das der Mann nicht überleben würde..."
Betroffen sah er zu Boden. Sein Blick war traurig.
"Und jetzt sagt ihr mir, das er tot ist. Das ist schrecklich."
"Und die Fallen im Wald? Hast du die entschärft?" fragte Sam, jetzt doch ruhig.
"Ja. Ich wollte nicht, das er die Tiere tötet. Er war ein Wilderer. Ich habe ihn schon lange beobachtet."
"Und da hattest du ihn auf dem Kieker," warf Emil ein.
"Das war doch ein guter Grund für dich, ihn loszuwerden," brummte Dean.
Nun zitterte Fred wieder mehr. Die anderen rührten sich nicht, aber ich kam nicht umhin, auf Fred zuzugehen. Er wich wieder hinter den Vorhang zurück, und so hob ich beschwichtigend die Hände.
"Es tut mir sehr leid, das wir dich verdächtigt haben. Du musst sehr einsam sein."
Fred nickte.
"Wollt ihr nicht ein Weilchen bleiben und ich erzähle euch alles?"
Augen-Team-Kontakt. Dean schien noch immer nicht überzeugt von der Unschuld der Kreatur. Aber neugierig war er schon. Also ließen wir uns an dem Tisch nieder, auf den Fred deutete. Während wir Platz nahmen und unsere durchnässten Jacken auszogen, tischte er einen Punsch auf und bot etwas von dem aromatischen Eintopf an, den er auf dem Herd zubereitete.
Als wir alle beisammen saßen, erzählte er uns seine ganze Geschichte. Ich konnte fühlen, wie gut ihm unsere Gesellschaft tat. Sogar Dean war nach Kurzem endlich überzeugt, das der ganze Fall ein unglückliches Missgeschick war. Vielleicht war es auch der schmackhafte Punsch oder das Kellerbier, das ihn überzeugt hatte.



Inside Fred

Wir erzählten Fred, wie wir auf seine Spur gekommen waren, indem wir alle Teile des Puzzles zusammengefügt hatten. Und das er wohl, nicht zuletzt weil er es selber erwähnte, etwas mit Krampus zu tun hatte. Fred seufzte schwer, und sein Gesichtsausdruck nahm einen traurigen Zug an.
"Ja, ich bin ein Krampus. Ein geborener Krampus. Ich wurde geboren, nachdem unsere Familie schon lange verflucht war."
"Dann veränderst du dich nicht, wenn du Streiche spielst?" wollte Sam wissen.
"Doch. Aber ich verändere mich nicht, wenn ich Gutes tue."
"Moment," warf Dean ein, "das verstehe ich jetzt nicht."
"Wenn man arglistig ist, verwandelt man sich immer mehr in einen bösartigen Krampus... diese zotteligen Viecher, die nur Böses im Sinn haben. Aber wenn man Gutes tut, dann kann man den Fluch aufhalten und verwandelt sich mit der Zeit wieder in einen Menschen. Nur ich nicht." Er seufzte erneut. "Ich bin so geboren, wie ich hier vor euch sitze." Seine Hände glitten von seinem Kopf zu den Hufen hinunter.
"Also wenn du nett bist, wirst du kein fieser Krampus, richtig?" hakte Dean nach.
"Ja, fast. Ich muss Gutes tun. Es reicht nicht, einfach nur keine Streiche zu spielen."
Sam nickte: "Ich verstehe. Also war es notwendig für dich, das du dem Jäger hilfst?"
Fred schüttelte erst den Kopf, dann nickte er.
"Ja und nein. Ich war von klein auf das schwarze Schaf der Familie. Ich wollte nie etwas Böses tun. Als Kind habe ich versucht, die Streiche der anderen auszubügeln... das gelang manchmal, manchmal aber auch nicht. Ich wollte niemanden bestrafen, vor allem keine Kinder. Sie wissen doch meistens gar nicht, was sie tun, es sind nur Streiche, die sie spielen, ohne Arglist und Tücke. Meine Familie bemerkte, was ich tat, und sie stießen mich aus. Sie beachteten mich nicht mehr. Und als ich älter wurde, sah ich nur einen einzigen Ausweg, nämlich das ich fortgehen müsste. Und das tat ich. Ich bin viel rumgekommen, bis ich vor langer Zeit dann endlich hier meinen Platz fand. Hier bin ich abgeschieden, aber trotzdem kann ich noch immer was Gutes tun. Wenn ihr mich für ein Vergehen bestrafen wollt, dann das ich nach Weihnachten die Mülltonnen durchsuche..."
"Mülltonnen durchsuchen?" fragte Emil mit hochgezogener Augenbraue. "Warum das?"
"Ich sammel all die fortgeschmissen Dinge: Geschenkpapier, Postkarten, Bänder und Schleifen... und all die Dekorationen, die keiner mehr haben möchte. Ich reinige alles, und bewahre es hier auf. Und beim nächsten Weihnachtsfest verwende ich all das, um die Leute hier zu beschenken. Wisst ihr, ich stricke leidenschaftlich gerne. Ich stricke Schals und Pullover, Socken und Strampler, Handschuhe und Mützen... ich verpacke alles festlich und lege es an Weihnachten anonym bei Nacht vor ihre Türen."
"Also so, wie es der Nikolaus getan hat," warf ich ein.
Fred nickte erneut.
"Ich liebte Weihnachten schon immer," fuhr er fort. "Alle sind so viel gütiger und liebevoller, alle sind freundlich und nett zueinander. Es ist die schönste Zeit des Jahres für mich, und deshalb ist bei mir immer Weihnachten."
Fred lächelte und sah uns offen an. 
"Aber leider," wieder dieses schwere Seufzen, "muss ich vorsichtig sein. Ich habe Angst, das jemand aus meiner Familie mich entdeckt. Die Bestrafung wäre unsäglich schlimm."
Wir waren allesamt sprachlos. Nach einer Weile, bis sich unser Erstaunen gelegt hatte, deutete Sam auf die unter dem festlich geschmückten Baum liegenden Geschenke.
"Die sind also alle für die Leute, die hier in der Gegend leben?"
Fred nickte.
"Ich habe immer so viel zu verschenken, das einige Geschenke schon ein paar Jahre unverpackt hier warten, einen neuen Besitzer zu finden."
"Wow," ließ Dean los. "Das nenn' ich mal Weihnachtsgeist."
"Ich habe auch etwas für euch," sagte Fred, plötzlich aufspringend.
"Aber wie... ? Ich meine, du wusstest doch gar nicht... !" stammelte Sam.
"Wie gesagt, ich habe immer genug. Für alle."
Fred entfernte sich für ein paar Minuten, in denen wir schweigend am Tisch saßen, an unseren Punschgläsern nippten, und uns immer noch wunderten, wie sehr wir uns in diesem lieben Kerl getäuscht hatten. Als Fred zurückkehrte, hielt er vier Pakete in den Händen. Er legte jedem von uns ein Päckchen auf den Tisch.
"Packt es zu Hause aus, wenn ihr gemeinsam Weihnachten feiert," lächelte er.
Wir saßen noch eine Weile und genossen die Ruhe und Wärme nach der kalten Jagd, ehe wir schließlich den Heimweg antraten.


Have yourself a merry little christmas

"Unfassbar, was Fred uns da erzählt hat," sagte Dean.
Wir waren zurück im Motel, und es war mittlerweile Heiligabend. Das war es zwar auch einige Stunden zuvor schon, aber wir hatten es nicht wirklich mitbekommen.
"Das er ausgestoßen wurde, weil er Weihnachten so liebt und niemanden bestrafen wollte... "
Wir nickten einstimmig.
"Eine rührende Geschichte," sagte Emil, besonnen und ruhig. "Er ist so einsam, hat niemanden, und lebt ständig in Angst entdeckt zu werden. Wenn seine bösartige Familie ihn tatsächlich findet, werden sie ihm schreckliches Leid zufügen..."
"Ja," sagte ich, "und nur weil er gut ist."
Wir mussten die Geschichte erst eine Weile sacken lassen. 
Emil fragte: "Und was erzählen wir jetzt dem Inspektor?"
"Ich denke, wir sagen ihm einfach, das der Mann durch einen Unfall gsestorben ist und einfach im Laufe der nächsten Stunden einige Tiere an der Leiche waren. Kein Mord, kein Täter."
Damit waren wir alle einverstanden. Und im Grunde stimmte das ja auch so. Bis auf ein oder zwei kleine Details.
Schließlich rieb Dean sich die Hände und fragte:
"Und, was machen wir jetzt?"
"Wie wäre es mit einem kleinen weihnachtlichen Umtrunk?" schlug Emil vor.
"Und Pizza!" sagte ich.
"Und ein bißchen Glotze," hängte Sam an, während er einen lächelnden Blick auf Dean warf. 
Und während der Funkelstein und Dean sich um das leibliche Wohl kümmerten, organisierten Sammy und ich ein wenig Dekoration, um es uns im Motelzimmer richtig kuschelig zu machen.
"Dann frohe Weihnachten uns allen!"

P.S.: ihr wollt wissen, was in den Paketen war? Was Gestricktes, natürlich! ;) 






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