Nur Fake?
Alle Utensilien waren beisammen. Es konnte losgehen!
Auf der Fahrt zum Ort des Geschehens kribbelte es in meiner Magengrube. Allerdings nicht aus lauter Vorfreude, auf einen dämonischen Mörder zu treffen, sondern weil die Landschaft um uns herum, die Stille und der nächtliche Frieden ein Gefühl von Harmonie und Glückseligkeit ausstrahlten. Das seichte Mondlicht ließ den Schnee glitzern, und unser fast lautloses Vehikel kutschierte uns gleitend durch diese verzaubert wirkende Landschaft, das es mir wie ein Film vorkam, den ich gemütlich Zuhause ansah. Für die Zeit der Fahrt waren alle Gedanken an diesen Mordfall vollkommen ausgeblendet und jegliche Anspannung wich. Sam ging es wohl ähnlich, denn sein Blick wirkte fast verträumt, während er aus dem Fenster blickte.
Im Wald angekommen, griffen wir nach unserer Ausrüstung. Statt der unzuverlässigen Technik in Form von Beleuchtungsgeräten, hatten wir klassische Fackeln dabei, die nicht nur den Weg vor uns, sondern auch die nähere Umgebung hell erleuchteten und zudem noch Wärme spendeten. Diese bittere Kälte war ja kaum auszuhalten. Nur Emil muckte nicht, barfuß wie er immer war. Ein echter Zwerg eben, der liebe Funkelstein.
Ich gestehe, das ich so schnell den inneren Hebel nicht umstellen wollte: als ich aus unserem Gefährt ausstieg, wäre ich lieber mit Emil und den Jungs spazieren gegangen oder hätte ein Lagerfeuer gemacht, um Glühwein zu trinken und Printenmännchen zu futtern. Nach einer Jagd stand mir jetzt so gar nicht der Sinn. Seufz, aber was sein muss, das muss eben sein. Also drückte ich den geistigen Reset-Knopf und teilte die Fackeln aus, die Emil reihum anzündete. Die Kreuze waren verteilt, jeder hatte eins, den Sack hatte Sam und Dean trug den Knüppel. Dann ging es ab in Richtung Höhle und gefakter Hütte.
Wir waren noch auf dem Weg, als Sam, den Kopf über seinem Mobiltelefongerät, in die konzentrierte Stille sagte:
"Leute, der ehemalige Lieferzugang zum abgerissenen Weinkeller kann nur unter dem Felsen liegen. Denn laut diesem Plan laufen wir direkt darauf zu."
"Wir laufen darauf zu, ja?" hakte Dean nach.
"Ja, Alter," bestätigte Sam. "Ich habe den Bauplan mit einem Navi versehen, und unser Weg zur Hütte entspricht exakt den Koordinaten..."
"Ja, ja," unterbrach Dean unwirsch, "ich hab's kapiert."
"Trotzdem verstehe ich die Tarnung nicht."
"Bei irren Mördern gibt's auch nichts zu verstehen," warf Dean brummend ein.
Schweigen machte sich breit, bis wir den Fake-Hütte-Felsen erreichten.
Emil kickte, wie er es zuvor schon getan hatte, gegen die hölzerne Verkleidung. Die Oberfläche erbebte wieder.
"Wartet," sagte Sam im Flüsterton. "Lasst uns mal versuchen, das Teil hochzuheben."
Wir packten an der Unterseite der Holzverkleidung zu und versuchten gemeinsam, das Holz nach oben zu heben. Es wackelte, aber nichts tat sich. Wieder kickte Emil dagegen, diesmal fester. Sam, der außen stand, trat ebenfalls gegen die Verkleidung. Das Zittern des Holzes war an dieser Seite stärker. Sam griff mit beiden Händen seitlich die Verkleidung und versuchte zu schieben. Tatsächlich bewegte sich die Hüttenwand.
"Man kann es schieben," sagte Sam leise. Und so packten wir alle mit an und - schwupps, nun war es ganz leicht - ließ sich die hölzerne Verkleidung zur Seite schieben. Doch - siehe da! - es war nur eine winzige, dunkle, muffige Höhle. Unsere Enttäuschung war so riesig, wie die Höhle klein.
"So ein Mist!" sagte Emil brummig.
Dann Deans Stimme, etwas weiter hinten: "Was zum... ? Kommt mal her."
"Das ist eine Falltür oder sowas," äußerte Sam, worauf Dean ein "ach echt jetzt?" zum Besten gab.
Ich machte mich gleich daran, die Falltür genauer zu untersuchen.
"Leuchtet mal hierher," flüsterte ich, als ich etwas ertastete. "Hier, ein Pedal," nickte ich, als ich die Apparatur besehen konnte. Mit einem "Klick" rastete etwas ein, als ich auf das Pedal trat und ein Mechanismus betätigt wurde. Die Falltür klappte nicht nach unten, nein, sie schob sich seitlich auf. Eine Treppe kam zum Vorschein. Nacheinander stiegen wir hinunter, wobei wir die Fackeln in der Höhle zurückließen, denn hier war alles hell erleuchtet.
Nun wurde der Blick freigegeben auf etwas, mit dem keiner von uns gerechnet hatte...
Wir brauchten alle eine Weile, um fassen zu können, was wir da sahen. Wir hatten uns auf Blut eingestellt, auf blutige Felle vielleicht, ermordete Tiere oder auch weitere menschliche Leichen, auf verwestes Fleisch und andere ekelhafte Dinge. Aber das hier schlug alles!
Wir fanden uns in einem Gewölbe wieder. Wir sahen als erstes eine kuschelig aussehende Bettstatt mit weichen Kissen und Decken, und Lichterketten an den Wänden. Und überall Dekorationen, die aus einem lieblichen Weihnachtsfilm hätten stammen können.
Alle Utensilien waren beisammen. Es konnte losgehen!
Auf der Fahrt zum Ort des Geschehens kribbelte es in meiner Magengrube. Allerdings nicht aus lauter Vorfreude, auf einen dämonischen Mörder zu treffen, sondern weil die Landschaft um uns herum, die Stille und der nächtliche Frieden ein Gefühl von Harmonie und Glückseligkeit ausstrahlten. Das seichte Mondlicht ließ den Schnee glitzern, und unser fast lautloses Vehikel kutschierte uns gleitend durch diese verzaubert wirkende Landschaft, das es mir wie ein Film vorkam, den ich gemütlich Zuhause ansah. Für die Zeit der Fahrt waren alle Gedanken an diesen Mordfall vollkommen ausgeblendet und jegliche Anspannung wich. Sam ging es wohl ähnlich, denn sein Blick wirkte fast verträumt, während er aus dem Fenster blickte.
Im Wald angekommen, griffen wir nach unserer Ausrüstung. Statt der unzuverlässigen Technik in Form von Beleuchtungsgeräten, hatten wir klassische Fackeln dabei, die nicht nur den Weg vor uns, sondern auch die nähere Umgebung hell erleuchteten und zudem noch Wärme spendeten. Diese bittere Kälte war ja kaum auszuhalten. Nur Emil muckte nicht, barfuß wie er immer war. Ein echter Zwerg eben, der liebe Funkelstein.
Ich gestehe, das ich so schnell den inneren Hebel nicht umstellen wollte: als ich aus unserem Gefährt ausstieg, wäre ich lieber mit Emil und den Jungs spazieren gegangen oder hätte ein Lagerfeuer gemacht, um Glühwein zu trinken und Printenmännchen zu futtern. Nach einer Jagd stand mir jetzt so gar nicht der Sinn. Seufz, aber was sein muss, das muss eben sein. Also drückte ich den geistigen Reset-Knopf und teilte die Fackeln aus, die Emil reihum anzündete. Die Kreuze waren verteilt, jeder hatte eins, den Sack hatte Sam und Dean trug den Knüppel. Dann ging es ab in Richtung Höhle und gefakter Hütte.
Wir waren noch auf dem Weg, als Sam, den Kopf über seinem Mobiltelefongerät, in die konzentrierte Stille sagte:
"Leute, der ehemalige Lieferzugang zum abgerissenen Weinkeller kann nur unter dem Felsen liegen. Denn laut diesem Plan laufen wir direkt darauf zu."
"Wir laufen darauf zu, ja?" hakte Dean nach.
"Ja, Alter," bestätigte Sam. "Ich habe den Bauplan mit einem Navi versehen, und unser Weg zur Hütte entspricht exakt den Koordinaten..."
"Ja, ja," unterbrach Dean unwirsch, "ich hab's kapiert."
"Trotzdem verstehe ich die Tarnung nicht."
"Bei irren Mördern gibt's auch nichts zu verstehen," warf Dean brummend ein.
Schweigen machte sich breit, bis wir den Fake-Hütte-Felsen erreichten.
Emil kickte, wie er es zuvor schon getan hatte, gegen die hölzerne Verkleidung. Die Oberfläche erbebte wieder.
"Wartet," sagte Sam im Flüsterton. "Lasst uns mal versuchen, das Teil hochzuheben."
Wir packten an der Unterseite der Holzverkleidung zu und versuchten gemeinsam, das Holz nach oben zu heben. Es wackelte, aber nichts tat sich. Wieder kickte Emil dagegen, diesmal fester. Sam, der außen stand, trat ebenfalls gegen die Verkleidung. Das Zittern des Holzes war an dieser Seite stärker. Sam griff mit beiden Händen seitlich die Verkleidung und versuchte zu schieben. Tatsächlich bewegte sich die Hüttenwand.
"Man kann es schieben," sagte Sam leise. Und so packten wir alle mit an und - schwupps, nun war es ganz leicht - ließ sich die hölzerne Verkleidung zur Seite schieben. Doch - siehe da! - es war nur eine winzige, dunkle, muffige Höhle. Unsere Enttäuschung war so riesig, wie die Höhle klein.
"So ein Mist!" sagte Emil brummig.
Dann Deans Stimme, etwas weiter hinten: "Was zum... ? Kommt mal her."
"Das ist eine Falltür oder sowas," äußerte Sam, worauf Dean ein "ach echt jetzt?" zum Besten gab.
Ich machte mich gleich daran, die Falltür genauer zu untersuchen.
"Leuchtet mal hierher," flüsterte ich, als ich etwas ertastete. "Hier, ein Pedal," nickte ich, als ich die Apparatur besehen konnte. Mit einem "Klick" rastete etwas ein, als ich auf das Pedal trat und ein Mechanismus betätigt wurde. Die Falltür klappte nicht nach unten, nein, sie schob sich seitlich auf. Eine Treppe kam zum Vorschein. Nacheinander stiegen wir hinunter, wobei wir die Fackeln in der Höhle zurückließen, denn hier war alles hell erleuchtet.
Nun wurde der Blick freigegeben auf etwas, mit dem keiner von uns gerechnet hatte...
Wir brauchten alle eine Weile, um fassen zu können, was wir da sahen. Wir hatten uns auf Blut eingestellt, auf blutige Felle vielleicht, ermordete Tiere oder auch weitere menschliche Leichen, auf verwestes Fleisch und andere ekelhafte Dinge. Aber das hier schlug alles!
Wir fanden uns in einem Gewölbe wieder. Wir sahen als erstes eine kuschelig aussehende Bettstatt mit weichen Kissen und Decken, und Lichterketten an den Wänden. Und überall Dekorationen, die aus einem lieblichen Weihnachtsfilm hätten stammen können.
Nach einigen Metern ging es verwinkelt um die Ecke, und wir erkannten einen Schatten. Der Schatten verharrte, rührte sich nicht und sagte auch nichts. Wir gingen in Kampfstellung (und Emil in seine berühmte Hab-Acht-Pose). Langsam näherten wir uns dem Knick, der uns weiter in das Gewölbe führte.
Hier stand ein geschmückter Weihnachtsbaum, ein Sessel und ein Schrank, in dem etliche Sanduhren zur Schau gestellt waren. Neben dem Sessel ein Korb mit Wolle, und unter dem Baum die schönsten Geschenke.
Wir wagten uns gemeinsam immer weiter in das von flackerndem Licht durchtränkt liegende, aber dennoch überschaubare, kleine Gewölbe vor. Am anderen Ende des Felsens, also an der Seite, die Sam und Emil von außen entdeckt hatten, hing die schönste Weihnachtsdekoration, die meine kampfgeschundenen Augen je erblickt hatten! Kränze, Girlanden, Weihnachtsbaumkugeln... Sogar ein Bild vom Nikolaus in goldenem Rahmen!
Das war so unfassbar und so seltsam, das mir die Spucke wegblieb.
Dieser Teil war die Küche. Ein Tisch, fünf Stühle und ein Herd, auf dem ein großer Topf stand, aus dem ein aromatischer Duft an unsere Nasen drang. Selbst einen Kühlschrank gab es!
"Was zum Geier ist das?" fragte Dean leise.
Das alles hier in dieser Höhle war so weihnachtlich-bezaubernd, so zuckersüß und wunderhübsch, das wir sowieso kein Monster mehr erwarteten.
"Definitiv die falsche Fährte," flüsterte Sammy. Er klang enttäuscht, aber nicht allzusehr.
Der Schatten bewegte sich ein wenig. Verharrte. Wir konnten ihn im flackernden Licht der kleinen Laternen aber nicht richtig erkennen. Das Licht im Raum hinter der Kreatur war fast gänzlich gelöscht worden, und die Gestalt versteckte sich hinter einem Vorhang.
"Hallo?!" rief Sam in die Höhle hinein. "Ist da jemand?"
"Hallo!" rief eine ängstliche Stimme zurück.
"Wir... also wir... "
'Ja,' dachte ich mir nur, als Sam versuchte, unser unangekündigtes Eindringen zu erklären, 'dann mach mal.'
"Wir suchen jemanden. Wir haben uns wohl in der... ähm... "
"Komm einfach raus, damit wir dich sehen!" rief Dean in seinem gewohnt ungeduldigen, leicht barschen Tonfall.
Während wir auf der Stelle verharrten, an der wir standen, näherte sich der Schatten langsam, bis er endlich ins Licht trat. Dean zuckte vor, doch Emil hielt ihn am Handgelenk zurück. Denn die Gestalt, die sich uns zaghaft näherte und doch in gebührendem Abstand zu uns stehenblieb, passte exakt auf die Beschreibung, die wir von dem Mörder hatten.
"Wer seid ihr?" fragte die Kreatur mit zitternder Stimme.
"Wir sind hier, um dir zu zeigen wo der Knüppel hängt!" rief Dean.
"Alter..." stöhnte Sam.
"Wer bist du?" rief Emil.
"Ich bin Fred. Wer seid ihr?" wiederholte das Wesen seine Frage.
"Ähm... ich bin Sam, das ist mein Bruder Dean, meine Schwester Misses und das ist der Emil. Wie gesagt, wir suchen jemanden."
"Ich habe euch im Wald gesehen. Ihr habt mich verfolgt..." Seine Stimme zitterte.
Hier stand ein geschmückter Weihnachtsbaum, ein Sessel und ein Schrank, in dem etliche Sanduhren zur Schau gestellt waren. Neben dem Sessel ein Korb mit Wolle, und unter dem Baum die schönsten Geschenke.
Wir wagten uns gemeinsam immer weiter in das von flackerndem Licht durchtränkt liegende, aber dennoch überschaubare, kleine Gewölbe vor. Am anderen Ende des Felsens, also an der Seite, die Sam und Emil von außen entdeckt hatten, hing die schönste Weihnachtsdekoration, die meine kampfgeschundenen Augen je erblickt hatten! Kränze, Girlanden, Weihnachtsbaumkugeln... Sogar ein Bild vom Nikolaus in goldenem Rahmen!
Das war so unfassbar und so seltsam, das mir die Spucke wegblieb.
Dieser Teil war die Küche. Ein Tisch, fünf Stühle und ein Herd, auf dem ein großer Topf stand, aus dem ein aromatischer Duft an unsere Nasen drang. Selbst einen Kühlschrank gab es!
"Was zum Geier ist das?" fragte Dean leise.
Das alles hier in dieser Höhle war so weihnachtlich-bezaubernd, so zuckersüß und wunderhübsch, das wir sowieso kein Monster mehr erwarteten.
"Definitiv die falsche Fährte," flüsterte Sammy. Er klang enttäuscht, aber nicht allzusehr.
Der Schatten bewegte sich ein wenig. Verharrte. Wir konnten ihn im flackernden Licht der kleinen Laternen aber nicht richtig erkennen. Das Licht im Raum hinter der Kreatur war fast gänzlich gelöscht worden, und die Gestalt versteckte sich hinter einem Vorhang.
"Hallo?!" rief Sam in die Höhle hinein. "Ist da jemand?"
"Hallo!" rief eine ängstliche Stimme zurück.
"Wir... also wir... "
'Ja,' dachte ich mir nur, als Sam versuchte, unser unangekündigtes Eindringen zu erklären, 'dann mach mal.'
"Wir suchen jemanden. Wir haben uns wohl in der... ähm... "
"Komm einfach raus, damit wir dich sehen!" rief Dean in seinem gewohnt ungeduldigen, leicht barschen Tonfall.
Während wir auf der Stelle verharrten, an der wir standen, näherte sich der Schatten langsam, bis er endlich ins Licht trat. Dean zuckte vor, doch Emil hielt ihn am Handgelenk zurück. Denn die Gestalt, die sich uns zaghaft näherte und doch in gebührendem Abstand zu uns stehenblieb, passte exakt auf die Beschreibung, die wir von dem Mörder hatten.
"Wer seid ihr?" fragte die Kreatur mit zitternder Stimme.
"Wir sind hier, um dir zu zeigen wo der Knüppel hängt!" rief Dean.
"Alter..." stöhnte Sam.
"Wer bist du?" rief Emil.
"Ich bin Fred. Wer seid ihr?" wiederholte das Wesen seine Frage.
"Ähm... ich bin Sam, das ist mein Bruder Dean, meine Schwester Misses und das ist der Emil. Wie gesagt, wir suchen jemanden."
"Ich habe euch im Wald gesehen. Ihr habt mich verfolgt..." Seine Stimme zitterte.
Dann herrschte einen Moment lang Schweigen, und das fühlte sich noch seltsamer an als der Augenblick, als nur Cartoon-Geräusche zu hören waren.
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